Mödlareuth – auch „Little Berlin“ genannt- ein kleines Dorf, das heute zum einen Teil in Thüringen liegt, zum anderen Teil in Bayern, in der Vergangenheit jedoch wie so viele Orte von der Mauer getrennt wurde, war wie jedes Jahr das Ziel einer Exkursion der Q11.

Fahrt der Q11 nach Mödlareuth

Im Museum an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze wurde die Geschichte des Eisernen Vorhangs aufgearbeitet, der das Dorf während des Kalten Krieges geteilt hat, so dass sie Besuchern, wie auch Schulklassen, anschaulich präsentiert werden kann.Im Museum selbst wird ein Film vorgeführt, der den Alltag der Menschen zeigt, die in Mödlareuth lebten und tagtäglich mit den unterschiedlichen Auswirkungen der Mauer zu kämpfen hatten. Durch eine Museumspädagogin erfuhren wir, wie die Mauer Stück für Stück von der sowjetischen Regierung verstärkt und gesichert wurde, um die hohen Flüchtlingszahlen nach West-Deutschland einzudämmen. Zu Beginn war es nur ein Holzzaun, der die beiden Dorfhälften und somit auch Familien voneinander trennte, jedoch noch relativ leicht überwunden werden konnte. Allerdings wurde das Problem in der DDR sehr bald publik, sodass der Holzzaun durch einen zuerst nur aus einer Reihe bestehenden, später aus drei Reihen zusammengesetzten Maschendrahtzaun ersetzt wurde. Auch die Kontrollen und Gesetze wurden verschärft, so dass es sogar verboten wurde vom Osten in den Westen zu winken oder zu rufen. Es gab jedoch auch beeindruckende stille Proteste gegen die Trennung, indem die Dorfbewohner beider Hälften beispielsweise am Zaun zusammenkamen, um nach dem Tode eines Angehörigen aus der Osthälfte zusammen mit einem Pfarrer die Beerdigung zu feiern. Trotzdem kam es 1966 zum endgültigen Verlust des Sichtkontaktes der Familien und Nachbarn, als eine übermannshohe Betonmauer aufgestellt wurde, die in regelmäßigen Abständen mit Wachtürmen gespickt war.Die unterschiedlichen Mauerarten, die man auch heute noch in Mitten des Dorfes besichtigen kann, machen es sehr einfach nachzuvollziehen, wie sich die Menschen damals gefühlt haben müssen: eingeschlossen in einem Land, das ihnen durch das politische sowie wirtschaftliche System wenig zu bieten hatte, von der ständigen Präsenz der Soldaten mit Waffen bedroht.

 

Besonders interessant für die Schüler waren die unterschiedlichen Fluchtversuche, von denen einige leider tödliche endeten. Geglückt war jedoch der Versuch eines Fabrikarbeiters, der von seiner Arbeitsstelle die Grenzanlagen genau überblicken und studieren konnte, so dass er genau wusste, was er wie planen musste, damit seine Flucht gelingen würde. Mit selbst gebastelten Leckerlies aus Fleisch und Schlaftabletten, die die Hunde ablenkten, sowie einer Leiter, zu der er aufgrund seines Berufes Zugang hatte, gelang die Flucht über die Mauer in die Freiheit.Wir wurden jedoch auch auf die Schattenseiten der DDR aufmerksam gemacht, die von vielen heutzutage unterschätzt und heruntergespielt werden. Eines der gefährlichsten und vor allem brutalsten Hindernisse, die es zu überwinden galt, waren Selbstschuss-Waffen, die bei Auslösung Metallsplitter über 130m weit schleuderten, sodass der Flüchtige fast keine Überlebenschance hatte. Solche Fälle wurden jedoch aufs Strengste geheim gehalten, um den Schein einer demokratischen und rechtsstaatlichen Regierung aufrecht zu erhalten. Eine weitere Methode, um dem Westen keine Möglichkeit zur Kritik zur geben, waren die Schießbefehle, die darauf zielten, jeden Fluchtversuch durch Gebrauch der Schusswaffe zu verhindern, außer es würde dazu führen, dass die Leiche auf westlichem Gebiet landete.Alleine schon diese wenigen Geschichten, die wir an diesem Tag gehört haben, verdeutlichen, wie sehr wir unsere Freiheit schätzen sollten, da wir das große Glück haben, in einer Zeit des relativen Friedens aufzuwachsen. Grenzen haben für uns meist nur symbolische Bedeutung, genauso wie für Mödlareuth heutzutage wieder, da der Tannbach zwar Thüringen und Bayern voneinander trennt, aber nicht Familien und Freunde. Nathalie Gumann, Q11